Institut für Traumapädagogik Berlin

Traumapädagogik

Traumapädagogik ist eine noch recht junge Teildisziplin der Pädagogik. Sie ist durch eine wertschätzende Haltung gegenüber Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen geprägt, die hoch belastende Lebenserfahrungen machen mussten. Im Mittelpunkt dieser Haltung steht die Akzeptanz eines „Guten Grunds“, nachdem jedes Verhalten von Menschen subjektlogisch ist, also den inneren Wünschen, Bedürfnissen und Notlagen entspringt. Die Traumapädagogik zielt deshalb auf die Gestaltung von Sicheren Orten für schwer belastete junge Menschen in der Jugend- und Familienhilfe, Schule oder Beratung. Diese Sicheren Orte lassen sich vor allem über haltende und zuverlässige Beziehungsangebote beschreiben. Nur so können schwer belastete Menschen neue, korrigierende Lebenserfahrungen machen.

Traumapädagogik richtet sich aber auch an die pädagogischen Fachkräfte. Die Anerkennung ihrer großen beruflichen Leistungen sowie die Notwendigkeit von eigener Sicherheit und Entlastung in der Arbeit ist in der Traumapädagogik sehr wichtig. Sowohl für die jungen Menschen, mit denen Traumapädagogik befasst ist, als auch für die Professionellen ist eine solche Pädagogik ohne die Beachtung von sozial-politischen Rahmenbedingungen undenkbar.

Als Institut für Traumapädagogik Berlin stehen wir für eine explizit pädagogische Verortung dieser Disziplin. Theoretisch sind unsere Inhalte deshalb besonders in der psychoanalytischen Pädagogik sowie der Gestaltpädagogik verankert. Wir integrieren die Erkenntnisse der Psychotraumatologie, der Neurobiologie, verschiedener therapeutischer Schulen sowie der Bindungsforschung in unser Curriculum, überprüfen jedoch stets ihre Bedeutung für die pädagogische Praxis.

In traumapädagogischen Fort- und Weiterbildungen ist uns die Entwicklung einer reflektierten Haltung bei den einzelnen Teilnehmenden und/oder in Teams besonders wichtig. Aus einer solchen Haltung ergeben sich einige spezifische Handlungsmöglichkeiten für Pädagog*innen, die jedoch nur dann nutzbar sind, wenn ihnen ein traumapädagogisches Fallverstehen vorausgeht. Spezifische Methoden, insbesondere jene, die aus therapeutischen Zusammenhängen stammen, müssen deshalb immer in eine reflektierende Haltung eingebettet sein und auf ihre Sinnhaftigkeit im konkreten Arbeitskontext hin geprüft werden. Teil einer solchen Haltung ist es auch, Grenzen der Handlungsmöglichkeiten zu erkennen und sich als Professionelle*r selbst schützen zu können.

Ausgewählte Literatur zum Weiterlesen vom Team des Instituts für Traumapädagogik Berlin:

Zimmermann, D., Rosenbrock, H. & Dabbert, L. (Hrsg.) (2017): Praxis Traumapädagogik. Perspektiven einer Fachdisziplin und ihrer Herausforderungen in verschiedenen Praxisfeldern. Weinheim: Beltz Juventa.

Zimmermann, D. (2016): Traumapädagogik in der Schule. Pädagogische Beziehungen mit schwer belasteten Kindern und Jugendlichen. Gießen: Psychosozial.

Zimmermann, D. (42016): Migration und Trauma. Pädagogisches Verstehen und Handeln in der Arbeit mit jungen Flüchtlingen. Gießen: Psychosozial.